„Ahhh, meine Freunde!“, begrüßte Ali die Stammkunden seines Dönerladens mit einem türkischen Akzent. Er war ein schlanker Mann mit sehr kurzem Haaren, leicht gebräunter Haut und einer Ausstrahlung, bei der man einfach lächeln musste. Die drei Jungen traten durch die Tür in das kleine Lokal und begrüßten Ali ebenfalls.
„Was darf es sein? Das übliche oder heute mal etwas Abwechslung?“ Er grinste.
„Nix Abwechslung“, rief Stan, „einmal das übliche Essen an den üblichen Tisch. Und, was sagt ihr Freunde, noch ein schönes Bier?“ Stan sah die anderen an.
„Da sag ich nicht nein“, antwortete Nick. Sie gingen zu einem kleinen Tisch mit vier Sitzen und ließen sich dort nieder. Jennys Mutter folgte ihnen und setzte sich auf den freien Platz.
„Wollen sie vielleicht auch was essen oder was trinken?“, fragte Nick sie.
„Nein danke, dazu bin ich gerade nicht in der Stimmung. Könntet ihr mir bitte sagen wo meine Tochter ist?“, entgegnete die immer noch etwas aufgewühlte Frau.
„Na ja, ich schätze bei ihrem Freund…“, warf Nick vorsichtig in die Runde.
Die Augen der Frau, die ihm gegenüber saß wurden immer größer und größer und ihr Kinn klappte förmlich nach unten. Sie sah nicht so aus, als wüsste sie von der Beziehung ihrer Tochter.
Als sie sich wieder gefangen hatte, begann sie nachzuhaken: „Bei wem?“
„Na bei ihrem Freund. Hat sie ihnen das nicht erzählt?“ entgegnete Nick seufzend.
„Nein, mit keiner Silbe!“
„Das sollte ihnen vielleicht zu denken geben, aber darum es gerade nicht. Aber meiner Meinung nach ist sie definitiv dort, oder was meint ihr Jungs?“ Nick sah Stan und Kevin an und sie betätigten seine Aussage mit einem simplen Kopfnicken. Die Frau auf der anderen Seite des Tisches seufzte.
Es klang einerseits als wäre sie erleichtert. Erleichtert zu wissen, dass ihre Tochter offensichtlich nicht allein und in Sicherheit ist, bei wem auch immer. Andererseits klang es aber auch, als wäre sie nicht besonders begeistert von dem, was sie gerade gehört hatte. Nick konnte sich nicht richtig für eines der beiden Dinge entscheiden. Er dachte krampfhaft darüber nach, was er ihr jetzt sagen sollte. Sollte er ihr wirklich sagen, bei wem sie war. Sie wirkte, als sei irgendetwas passiert, was schlimmes, und er wollte sich eigentlich nicht in fremde Angelegenheiten einmischen, besonders nicht, wenn sie offensichtlich einen etwas sonderbaren Hintergrund haben. Er entschied sich für einen anderen Weg, diese Entscheidung zu treffen.
„Sagen sie, wenn ich das fragen darf, was ist passiert, dass sie so aufgewühlt mitten in der Stadt nach ihrer Tochter suchen, um diese Uhrzeit? Hat sie irgendetwas angestellt?“
„Na ja…redet sie öfter über ihren Vater?“, die Mutter sah sie mit einem leicht traurigen Blick an.
„Öfter als man glauben mag. Aber nicht gerade Gutes.“
„Er hat was mit ins Haus geschleppt, was sie ihm aus Wut gestohlen hat und dann ist sie abgehauen. Und ich habe Angst, dass sie damit was echt Blödes anstellt. Was echt Gefährliches“, gab sie den Jungen als Antwort. Nick ahnte das Schlimmste.
„Warten sie, reden wir hier über eine Waffe? Nein halt, sie meinen Drogen. Sie meinen Drogen.“ Die letzten Worte wiederholte er immer wieder, wurde dabei leiser und leiser und machte den Eindruck als würde er jeden Moment ausrasten. Wieder war er sprachlos. Doch Ali eilte ihm unbewusst zu Hilfe: „Jungs, eure Döner sind fertig!“ Ohne zu zögern ging Nick an den Tresen, gefolgt von Stan und Kevin. Er winkte sie zu sich und flüsterte:
„Alter, wir können ihr nicht sagen, bei wem sie ist!“
„Hä, wieso? Versteh ich nicht!“, entgegnete Kevin. Stan schaute derzeit geistesabwesend auf den Teller auf dem Tresen und hörte den beiden gar nicht zu.
„Sie kennt Marcel, weil Jenny ziemlich häufig bei Marcel ist, also kennt sie vielleicht auch seinen Lebensstil. Sollen wir ihr wirklich sagen, dass ihre Tochter, um die sie sich gerade Riesen-Sorgen macht bei einem Kerl ist, der dauerhaft trinkt, raucht und dabei nicht einmal ein Risiko eingeht, weil seine Mom sich einen Scheiß um seine Freizeit schert? Wenn du ihr das sagen willst dann bitte nur zu. Ich bin nicht scharf drauf.“ Kevin sah ziemlich verdutzt aus. Mit so etwas hatte er anscheinend gerade gar nicht gerechnet.
„Okay, okay. Ich denke Nick hat Recht“, schaltete sich jetzt auch Stan ein.
„Ja gut, und was sollen wir ihr jetzt sagen?“, fragte Kevin.
„Lass das mal meine Sorge sein!“, erwiderte Nick und lächelte, bevor er seinen Teller in die Hand nahm und zurück zum Tisch ging.
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