„Geht’s dir gut, soweit?“, vergewisserte sich Marcel, während er das Mädchen zu sich nach Hause geleitete. Er wusste nicht, wie er da mit hineingeraten konnte. Er hatte sich geschworen niemals mit Drogen in Kontakt zu kommen, zumindest nicht mit den illegalen. Er versuchte krampfhaft alle Möglichkeiten, die er jetzt hatte durchzukalkulieren. Er könnte sobald sie bei ihm waren Jennys Eltern anrufen und ihnen erklären, dass ihre Tochter heute Nacht bei ihm sei, er auf sie aufpassen würde, sie sich keine Sorgen machen sollten und so was. Hierbei bestand allerdings die Gefahr, dass ihr Vater ihn sofort aufsuchen würde, um seine Tochter, oder besser gesagt sein Koks, einzukassieren. Und wer weiß, wozu er fähig war. Er könnte allerdings auch auf den Anruf bei ihren Eltern verzichten. Hierbei jedoch bestand die Gefahr, dass diese dann die Polizei rufen und dann wären alle völlig am Arsch. Er musste also zumindest ihre Mutter anrufen. Begeistert war er von dieser Erkenntnis nicht.
„Ja“, antwortete Jenny. Na wenigstens ein positiver Gedanke, dachte sich der Junge. Sie hatten sein Haus erreicht und er schloss die Haustür auf.
Sie passierten den Hausflur, der mit einer kleinen Kommode und einem darüber hängenden Spiegel ausgestattet war. Direkt neben der Kommode waren ein paar Haken für Jacken und Mäntel angebracht, direkt an einer mit weißer Raufaser-Tapete tapezierter Wand. Gegenüber an der anderen Wand stand ein Schuhregal aus Holz, dass vollgestopft war mit Schuhen der verschiedensten Art.
„Fühl dich wie zu Hause. Wie immer also“, bemerkte Marcel beiläufig während er seine Jacke an einen Haken hing. Die beiden gingen in sein Zimmer und sie ließ sich offenbar erleichtert und ein bisschen erschöpft auf sein Bett fallen. Er nahm auf einem Stuhl an seinem Tisch Platz. Er klappte seinen Laptop, der auf dem Tisch stand auf und machte Musik an. Aus den Boxen unterm Tisch dröhnte die Musik einer amerikanischen Rockband.
„Willst du irgendwas trinken?“, fragte er und erhob sich wieder von seinem Stuhl. Sie sah hoch: „Nein danke.“ Er öffnete seinen Schrank und holte eine braune Flasche aus der hintersten Ecke hervor.
„Ich brauch jetzt ein Bier“, sagte er bevor er die Flasche öffnete und sich wieder auf den Stuhl setzte.
Er setzte die Flasche an den Mund und leerte sie in wenigen Schlucken um die Hälfte. Mit einem lauten Aufatmen stellte er sie neben sich auf den Tisch und widmete sich seinem Gast:
„Und was glaubst du wie das bei euch zu Hause weitergehen wird?“, fragte er und sah sie an.
Sie setzte sich aufrecht hin und lehnte sich an die Wand bevor sie antwortete: „Ich weiß es nicht. Ich habe echt keine Ahnung…“, sie verstummte kurz und sah aus dem Fenster, „können wir das lieber morgen oder irgendwann anders besprechen?“
„Klar!“, willigte er ein. Er lehnte sich zurück und schlug mit den Fingern im Takt der Musik auf den Tisch, während er ins Leere blickte. Auch er fragte sich, was er jetzt machen sollte.
„Warte mal kurz!“, sagte er und verließ den Raum. Er ging die Treppe hoch, vorbei an alten Bildern an der Wand, die ihn zeigten, als er noch jünger war. In der zweiten Etage angekommen, suchte er das Arbeitszimmer seiner Mutter auf, das genau neben ihrem Schlafzimmer lag. Als Marcel vor der Tür stand, klopfte er an und wartete bis seine Mutter ihn herein bat. Er betrat das Arbeitszimmer. Seine Mutter saß mit dem Rücken zur Tür an der gegenüberliegenden Wand an ihrem Schreibtisch. In der Mitte des Raumes lag ein großer grüner Teppich mit einigen kleinen Mustern drauf, die linke Wand war größtenteils ein Fenster und an der Rechten standen einige Regale. Seine Mutter sah nicht auf, als er herein kam. Erst als er sich räusperte drehte sie sich auf ihrem Stuhl zu ihm um und sah ihn an. Sie war eine Frau Mitte 50 mit dunklen, leicht gelockten Haaren und einer Lesebrille auf der Nase.
„Was gibt’s?“, fragte sie in einem Tonfall der klar machte, dass es sie eigentlich nicht wirklich interessierte. Ihr Verhältnis zueinander war nicht schlecht, war aber auch nicht gerade der Typ Vorzeigeverhältnis zwischen Mutter und Sohn, wie es doch Großteils üblich war.
„Nur eine schnelle Frage, bzw. mehr eine Information: Jenny übernachtet heute Nacht hier. Du kennst Jenny doch noch oder?“
„Ja, ja kenne ich. Die ist doch öfter mal hier…“
„Genau die.“
„Ja, mach ruhig. Aber macht nicht so einen Lärm. Ich muss hier arbeiten!“
„Keine Sorge“, entgegnete Marcel, bevor er das Zimmer schnell wieder verließ. Seine Mutter war Web-Designerin, weshalb sie zu Hause arbeitete. Den Jungen störte das nicht sonderlich, immerhin hatte er die meiste Zeit seine Ruhe. Er ging die Treppe wieder runter, zurück in sein Zimmer. Jenny saß noch immer auf dem Bett und sah aus dem Fenster. Er sah sie an und fragte:
„Soll ich deine Mutter anrufen und sagen, dass du heute hier bist oder willst du das selber machen?“
„Warte! Mach ich selbst.“ Sie holte ihr Handy aus ihrer Handtasche und tippte eine Minute lang darauf herum. Dann legte sie es wieder weg und sagte: „Ich hab ihr eine SMS geschickt.“
Etwas beruhigter über die Situation setzte sich der Junge wieder an den Tisch, griff nach der noch halb vollen Flasche und trank den Rest binnen weniger Sekunden. Dann stand er auf und verstaute die Flasche wieder in seinem Schrank. Er stellte sich ans Fenster uns sah ein paar Sekunden lang raus. Es war noch hell und es würde noch zwei, drei Stunden dauern bis die Dunkelheit einbrach. Er drehte sich wieder um:
„So, und was machen wie jetzt noch so?“
Willst du dir nicht langsam mal einen Titel für das ganze einfallen lassen?
AntwortenLöschenIch weiß, dass ist immer das schwerste, aber du kannst doch nicht immer drüber schreiben: "Für das Folgende habe ich noch keinen Titel".
Da kannst du auch gleich schreiben: "Ich habe keinen Plan, was ich hier eigentlich mache."
Wie wär's denn mit "The unbearable truth of (never)ending happiness"? Hmm?
nein. von mir aus ein Titel, aber NICHT der!
AntwortenLöschenDann eben nicht der.
LöschenIm Gegensatz zu dir hab ich aber auch keinen Plan, wie diese Story weiter gehen soll.
Ich meine, wirde das jetzt lustig oder romantisch oder knüpft sich in den nächsten drei Kapiteln jemand auf - ich hab keine Ahnung.
Wie ich dich kenne, du auch nicht, aber du brauchst auf jeden Fall einen Titel, der alles ausdrückt - und nichts.
:)