Mittwoch, 21. Dezember 2011

Für das Folgende habe ich noch keinen Titel (Teil 4)

„Verstehe. Versuch dich erstmal zu beruhigen.“ Das Mädchen riss sich zusammen und erklärte ihm langsam was passiert war. Kein Detail ließ sie dabei aus. Kein Wort, was gesagt wurde, nicht die Wut ihres Vaters und auch nicht die Schmerzen, die sie ihm zugefügt hatte. Während sie redete wich sein Blick nicht von ihrem Gesicht. Sie hatte rote Ringe unter den Augen, ihre Schminke war ziemlich verwischt und ihre Augen hörten nicht auf zu tränen. Er war ratlos. Was konnte er in dieser Situation tun, um ihr zu helfen? Als sie fertig war mit erzählen deutete sie auf das Kokain.
„Was tun wir nun?“, fragte sie ihn. Allmählich gewann sie ihre Fassung zurück. Er zuckte mit den Schultern: „Soll ich mitkommen und wir gehen zurück zu deinem Dad?“
„Bloß nicht. Ich will nicht wissen, was der mit mir machen würde. Immerhin habe ich ihm sein Kokain gestohlen. Er ist mit Sicherheit gerade außer sich vor Wut“, entgegnete sie.
„Die Polizei anrufen?“
„Ja klar. Und was sollen wir denen erzählen? Außerdem würde meine Mutter ausrasten wenn mein Vater eingebuchtet wird.“ Sie wischte sich die Augen aus und warf ihren Kopf zurück. Dann schien sie etwas vor zu haben, denn entschlossen griff sie in ihre Tasche und holte etwas heraus, er konnte aber nicht erkennen, was es war. In diesem Moment klingelte sein Handy. Er sah auf den Display und die SMS, die er eben bekommen hatte. Sie war von Nick. Er fragte, ob er Zeit hatte und mal rum kommen wollte. Als er gerade antworten wollte, dass er gerade beschäftigt war, hörte er ein komisches Schniefen neben sich. Erschreckt drehte er sich zu Jenny um und sah geschockt, was sie aus der Tasche geholt hatte. Es war ein Geldschein gewesen, mit dem sie gerade eine Line Koks geschnieft hatte, die sie vorher auf die Bank gestreut hatte. Er traute seinen Augen kaum, aber sie täuschten ihn keineswegs.
„Was tust du da? Bist du jetzt völlig übergeschnappt?“, rief er außer sich.
„Schrei mich nicht so an. Ich brauch das jetzt. Sieh dir mich doch mal an.“
„Das ist doch alles kein Grund Drogen in sich reinzupumpen.“ Er griff schnell nach dem Tütchen und riss es ihr aus der Hand, damit sie nicht auf die Idee kam, noch mehr Dummheiten zu machen.
„Und was machst du, wenn dich jemand sieht?“
„Ach was stört mich das?“
„Okay, jetzt übertreibst du. Hör auf damit. Du weißt genau, dass du dafür ins Gefängnis gehen kannst! Und ich glaube nicht, dass es dir dann immer noch so egal ist.“
Er schrieb Nick schnell ein paar Worte, um das Mädchen nicht zu lange unbeobachtet zu lassen.
„Und geht’s dir besser?“, sagte er anschießend in einem belehrenden Tonfall.
„Durchaus!“, erwiderte sie und rieb sich die Nase. Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und überlegte, was er machen sollte. Unmöglich konnte er Jenny zurück nach Hause gehen lassen.
„Meinst du, dass es so ein großer Fehler war?“, fragte sie ihn plötzlich.
„Die Drogen? Ja, meine ich!“
„Bist du sauer?“, fragte die vorsichtig und legte ihre Hände in den Schoß. Er wollte es für sie nicht noch schlimmer machen, als es ohnehin schon war, damit sie nicht noch was Dummes tat.
„Nein“, sagte er ruhig und seufzte, „ist doch deine Entscheidung. Ich heiße es nicht gut, aber ich bin deswegen doch nicht sauer.“
„Danke!“ Ihre Stimme war wesentlich leiser geworden und es steckte eine größere Ernsthaftigkeit dahinter.
Er trommelte kurz mit den Handflächen auf die Bank bevor er sich erhob, ihr seine Hand hin hielt und sagte: „Komm mit, du schläfst heute Nacht bei mir.“

Jennys Mutter stand mit verschränkten Armen vor ihrem Mann und schrie ihn an:
„Sag mal tickst du noch richtig? Bist du denn völlig bescheuert geworden?“
„Ach komm sei ruhig…“, entgegnete er ohne die Miene zu verziehen.
„Ist dir wenigstens bewusst, dass deine Tochter mit einer Tüte Kokain irgendwo da draußen ist, und wahrscheinlich nicht freiwillig zu dir zurückkommen wird.“
„Ist klar.“ Mit völliger Gleichgültigkeit wandte er sich wieder seinem Fernseher zu.
„Gott, du bist so ein nutzloser Arsch!“ Zu ihrem lauten Tonfall kamen nun auch Tränen dazu.
Er rührte sich keinen Zentimeter in seinem Sessel. Er ignorierte sie und kümmerte sich kein Stück um sein eigen Fleisch und Blut, welches vielleicht in Gefahr schwebte.
„ Du bist so erbärmlich.“ Ohne weitere Worte verließ sie das Haus und machte sich auf die Suche nach ihrer Tochter.

4 Kommentare:

  1. Trotz des langen Wartens beeindruckt es mich, so etwas von dir zu lesen. Hätte nicht gedacht, dass du zu überhaupt zu solchen Gedanken, wie denen Marcels, fähig bist^^

    Lass uns bitte nicht wieder länger als eine Woche warten!
    (P.S.: Yeay, keine erkennbaren Rechtschreibfehler!)

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  2. was heißt hier "uns"?? du bist doch eh die einzige die das liest^^

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    1. Ja, aber ich les es Jojo zum Beispiel auch vor.

      Und außerdem kann ich auch im Plural von mir reden, du hältest mich doch eh schon für vollkommen daneben ;)

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  3. Das stimmt nicht! :) Ich lese auch regelmäßig

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