Dienstag, 13. Dezember 2011

Für das Folgende habe ich noch keinen Titel (Teil 3)

Verzweifelt saß der Junge an seinem runden Tisch, eine Flasche Bier in der Hand, der Blick aus dem Fenster gerichtet. Was hatte er getan? Er konnte eine solche Lüge nicht lange aufrechterhalten. Seine Lage war ziemlich aussichtslost. Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht, als er seinen Freunden eine so riesige Lüge erzählte. Er hätte sie doch noch zurücknehmen können. Warum hatte er es nicht getan? Ach ja, richtig, um sich etwas zu beweisen. Bloß, was hatte er sich damit bewiesen? Dass er noch armseliger war, als er bis vor wenigen Stunden annahm, weil er schon log, um sich besser aussehen zu lassen? Dass er Spaß daran hatte? Er wusste keine passende Antwort auf diese Frage. Seine Flasche war leer, genau wie sein Kopf. Er stellte sie in seinen Schrank und schloss die Tür, zog seine Schuhe an und verließ das Haus. Er wollte zu Nick, wo sich wahrscheinlich auch gerade die anderen beiden aufhielten. Er musste versuchen, dass irgendwie aus der Welt zu schaffen. Er wusste noch nicht wie, aber ihm würde schon irgendwas einfallen. Hoffentlich…
Er saß einfach nur da in seinem Sessel, sah die ganze Zeit in die Glotze und bewegte sich nur um das Bad oder die Küche aufzusuchen. Er ignorierte alles andere um sich herum und jeden, der ihn auch nur ansprach, beschimpfte er. Seine eigene Frau war ihm nicht wichtig, um seine eigene Tochter kümmerte er sich einen Scheiß, während beide ihm nur dabei zusahen, wie er alt und fett wurde. „Bist du heute schon mal draußen gewesen?" „Nein und das werde ich auch nicht tun. Problem damit?“ „Ja, aber es ist ja nicht so, dass dich das interessieren würde.“ „Bingo. Also halt den Rand!“ Jenny war es leid, dass dieser Mensch, den sie mittlerweile nicht mal mehr als ihren Vater bezeichnen wollte, hier überhaupt lebte. Sie hatte mittlerweile einen solchen Hass auf ihn, dass es sie nicht die Bohne kümmern würde, wenn er tot wäre. „Halt doch selber mal dein dummes Maul, wenn eh nur Müll raus kommt und mach dich lieber mal nützlich!“ Ihr Vater drehte sich langsam zu ihr um und erhob sich tatsächlich aus dem Sessel, aber scheinbar nicht, um das zu tun, was sie ihm gerade vorgeschlagen hatte. „Wie war das?“, sagte er ganz langsam, während er sie ansah. „Du hast mich schon verstanden…“ Die Miene des Mannes verzog sich, sein Gesicht wurde rot und sein Arm hob sich. Er holte aus und wollte zuschlagen, als sie sich jedoch duckte und er lediglich den Türrahmen traf. Sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. Den Moment nutzte sie und stieß ihm den Ellenbogen in die Magengrube. Er fiel mit einem dumpfen Geräusch mit dem Rücken auf den Boden. Aus der Tasche seiner Hose war etwas gefallen. Ein kleines durchsichtiges Päckchen. Verwirrt hob Jenny es auf und sah es sich genauer an. Sie traute ihren Augen kaum, als sie den Inhalt des Päckchens erkannte. „Das kann doch nicht wahr sein. Ich habe dir ja viel zugetraut, sehr viel. Aber das nicht. Du schmeißt das Geld, das Mom hart verdient für Drogen zum Fenster raus. Für Scheiß-Kokain?“ Ihr Vater krümmte sich immer noch vor Schmerz auf dem Boden und kommentierte die Frage seine Tochter nicht im Geringsten. Sie stürmte zur Tür hinaus, das Kokain noch immer in der Hand.
Marcel ging weiter des Weges zu Nicks Haus. Es war nicht mehr weit. Den ganzen Weg hatte er schon darüber nachgedacht, wie er sich da wieder rausziehen könnte, doch alles war zu unecht, zu riskant oder zu aufwendig gewesen. Er kam sich blöd vor. Wenn er doch bloß die Zeit zurückdrehen könnte, um das alles aufzuhalten. Es würde nicht lange dauern, höchstens ein paar Tage noch, bis irgendjemand in der Schule Jenny auf ihre Beziehung zu ihm ansprechen würde. Dann war richtig geliefert. Er durfte es nicht soweit kommen lassen. Der Junge sah in den Himmel in der Hoffnung, dass er ihm eine Antwort senden würde. Aber nichts. Er war auf sich allein gestellt. Marcel drehte sich nach allen Seiten um. Vielleicht lieferte ihm ja irgendetwas Unscheinbares die notwendige Antwort. Und als er sich nach links drehte, sah er zwar keine Lösung, dafür aber seine hypothetische Freundin, die auf einer Bank unter einem großen Baum saß und weinte. Verwirrt ging er zu ihr rüber und setzte sich neben sie. Sie sah hoch schien erleichtert zu sein, dass er es war. „Alles okay?“, fragte Marcel und sah sie an. „Natürlich nicht, oder glaubst du, dass ich zum Spaß hier sitze und mir die Augen ausheule?“ „Nein, selbstverständlich nicht. Erzähl mir was los ist.“ Sie schnaubte in ein Taschentuch und warf es in den Mülleimer neben der Bank. Allmählich hörte sie auf zu weinen und sah ihm in die Augen. „Mein Vater…“, setzte sie an. Doch weiter kam sie nicht. Sie ließ ihren Kopf auf seine Schulter fallen und fing wieder an zu weinen. Er legte seine Arme um sie und versuchte sie zu beruhigen. „So schlimm? Was hat der Alte Idiot diesmal gemacht?“ Langsam löste sie sich aus seinem Griff und griff in ihre Tasche. Sie zog das Päckchen mit weißem Pulver hervor und ließ es in seine Hand fallen. „Das hat er gemacht!“ Der Junge sah entsetzt auf das Tütchen in seiner Hand. Jetzt fehlten auch ihm die Worte. Darauf war er nicht vorbereitet gewesen. Er vergewisserte sich der Situation: „Ist es das was ich glaube, dass es ist?“ Er merkte wie dumm sie Frage gewesen war. „Es ist auf jeden Fall weder Salz noch Zucker, das meine Nerven so blank liegen lässt!“

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