Als Marcel am nächsten Morgen wach wurde und das Erste was er wahrnahm, Jenny war, die in seinen Armen geschlafen hatte, wurde ihm sofort wieder vor Augen geführt, was er letzte Nacht getan hatte. Plötzlich wusste er gar nicht mehr, ob er die Aktivitäten des gestrigen Abends noch immer gut heißen konnte. Andererseits, dachte er sich, sie hat doch angefangen. Und wer wäre ich, dass ich das abgeschlagen hätte. Also doch eigentlich nichts worüber er sich Sorgen machen brauchte, oder? Er verdrängte kurzerhand alle Gedanken, die ihn zu einem schlechten Urteil führten und seufzte. Daraufhin schlug das Mädchen langsam ihre Augen auf und rekelte sich kurz, bevor sie ihm zärtlich über die Brust streichelte und sagte: „Guten Morgen. Alles okay?“, fragte sie nachdem sie seinen Gesichtsausdruck gesehen hatte. Einen Moment lang überlegte er, was er ihr sagen sollte. Sollte er sagen, dass er Bedenken hatte, was ihre gemeinsame Nacht anging? Oder sollte er einfach sagen, dass alles okay wäre, er es wahnsinnig schön fand und all die anderen üblichen Klischee-Sätze für den Morgen danach?
„Ja klar.“, sagte er und küsste sie. Dann schwieg er und fing wieder an sich Fragen zu stellen. Vor allem fragte er sich, wie es jetzt zwischen ihnen weitergehen sollte. Waren sie jetzt zusammen, oder war das hier eine einmalige Angelegenheit? Bloß kam er sich komisch vor, sie das zu fragen.
„Das war eine wirklich schöne Nacht“, sagte sie.
„Das fand ich auch. Hältst du es für eine gute Idee, das zu wiederholen?“
„Ich glaube nicht. Das war was Besonderes, was Einmaliges. Lass uns das nicht kaputt machen.“
„Auch gut“, stimmte er zu und setzte sich aufrecht auf die Bettkante. Er atmete einmal durch und stand dann auf und ging zum Schrank, um sich etwas anzuziehen. Er sah auf die Uhr und stellte fest, dass es schon nach 10 war. Daraufhin fragte er sie: „Und was wirst du heute tun, wenn du nach Hause kommst? Was glaubst du wie das weitergehen wird?“
„Ich weiß nicht genau, aber was soll schon schlimmes passieren?“ antwortete sie und zog sich ebenfalls etwas an.
„Ich weiß nicht, aber du glaubst doch nicht, dass alles so weitergehen wird, wie bis jetzt, oder?“
„Ich weiß nicht, ob ich das nicht vielleicht hoffen sollte, denn dann weiß ich immerhin wo ich dran bin. Wenn sich etwas ändern wird, dann alles und ich weiß nicht ob es dann besser wird, ob es mir dann leichter fällt, mit all dem umzugehen. Wir werden ja sehen.“
Leicht verwirrt über diese Aussage fragte er: „Aber hast du dir nicht die ganze Zeit Veränderungen gewünscht?“
„Ja schon. Aber wenn man so kurz vor etwas steht, was man sich immer gewünscht hat, fängt man an zu zweifeln. Außerdem ist der Feind, den man kennt immer besser als der Feind, den man nicht kennt.“
„Welch weise Worte von jemandem, der gestern noch eine Line gezogen hat, weil ihn der alte Feind das Leben so unsagbar schwer gemacht hatte“, erwiderte er mit einem Hauch Sarkasmus.
„Da kannst du mal sehen…“, entgegnete sie und sah in den Spiegel am Schrank, um sich ihre Haare zurecht zu machen. Dann drehte sie sich um und sah Marcel wie er den Laptop aufhob und ihn wieder auf den runden Tisch stellte, um die Musik laut zu machen.
„Willst du noch ein Bier oder eine Zigarette, bevor du gehst?“
„Nein danke. Ich werde das auch so unbeschadet überstehen.“ Sie krallte sich ihre Handtasche und nach einem letzten kurzen Blick in den Spiegel wollte sie gerade durch die Tür verschwinden, als der Junge sie zurück rief. Er zog aus seiner Tasche das Päckchen mit dem weißen Pulver und drückte es ihr in die Hand mit den Worten: „Gib es deinen Eltern.“
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