Dienstag, 27. Dezember 2011

Für das Folgende habe ich noch keinen Titel (Teil 5)

„Ja Leute. Marcel wird wohl heute nicht mehr zu uns stoßen. Er hat gerade geschrieben, er hätte „zu tun“. Wir wissen ja alle, was das heißt. Na ja dann eben nicht.“
Die letzten Worte des zweiten Satzes betonte Nick besonders und pfiff dabei so, wie man einem Mädchen hinterherpfeift. Er legte sein Smartphone zur Seite und ließ sich in hohem Bogen auf die schwarze Polsterung der Couch fallen.
„So Leute. Und jetzt? Macht mal einen jemand einen Vorschlag, damit wir hier nicht vor der Glotze versauern?“
Kevin und Stan, die immer noch den Fernseher an der Wand gegenüber ansahen und auf zwei Sesseln neben der Couch saßen, sagten ohne den Blick auch nur einen Zentimeter vom Bildschirm abzuwenden:
„Was hast du gegen die Glotze?“
„Ja. Ich meine, es ist doch voll entspannt hier. Was willst du mehr?“
„Leute, das ist nicht euer Ernst. Los, genau darin liegt der Quelle der deutschen Quote bezüglich der fetten Bevölkerung. Wollt ihr so enden wie diese armseligen, dicken Assis, die vormittags auf RTL laufen?“ Nick hatte sie zumindest dazu gebracht ihren Blick auf ihn zu richten:
„Jetzt übertreibst du aber schon ein wenig“, schmunzelte Kevin.
„Ja gut, ein bisschen. Aber anders kriege ich euch ja nicht von hoch. Also, was tun wir?“
Stan ließ sich wieder in die Lehne des Sessels fallen. Er sah nicht sehr begeistert davon aus, dass Nick ihn dazu bringen wollte, jetzt aufzustehen und raus zu gehen. Er ergriff trotzdem das Wort:
„Ich habe keine Ahnung, was wir machen können…“
Nick erhob sich von der Couch und sah amüsiert auf seine beiden Kumpels. Er griff zu Fernbedienung, die auf dem kleinen Holztisch vor der Couch lag und schaltete die Mattscheibe aus.
„Hey…“, beschwerte sich Stan lautstark.
„Ab jetzt. Ich hab Kohldampf und ich glaube ihr könntet auch was vertragen. Auf zu Ali.“
„Oh, jetzt im Ernst?“, Stan war noch immer alles andere als begeistert.
„Klar, Alter. Keiner von uns liebt Döner so sehr wie du.“
„Das ist ein Argument.“ Langsam erhob sich auch nun Stan aus dem Sessel und gesellte sich zu Nick und Kevin, die schon fertig an der Tür standen.
Mit Kevins Worten: „Und du glaubst, dass Döner essen statt rumhängen, die Fetten-Quote lindert?“, verließen sie das Haus.

Jennys Mutter lief durch die Straßen der Stadt, alle fünf Schritte nach rechts und links sehend auf der verzweifelten Suche nach ihrer Tochter. Bis jetzt blieb diese allerdings erfolglos. Die ganze Umgebung hatte sie schon nach ihr abgesucht, hatte die Nachbarn gefragt, hatte Passanten gefragt und hatte auch versucht Jenny auf ihrem Handy anzurufen. Alles was sich meldete, war die Mailbox. Sie machte sich Sorgen. Was wäre, wenn Jenny aus Frust anfing, das Kokain selber zu nehmen und unter Einwirkung von Drogen dann etwas Gefährliches oder verbotenes tat, was sie noch ewig bereuen würde? Sie wollte gar nicht daran denken, was sich alles aus der jetzigen Situation entwickeln könnte. Verzweifelt ließ sie sich auf eine Bank am Rande des Gehwegs fallen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Sie lehnte ihren Kopf nach hinten und sah in den Himmel, in der Hoffnung, er würde eine Antwort liefern, wie sie mit alledem umzugehen hatte und was sie machen sollte und vor allem wo ihre Tochter war. Doch sie blickte vergebens in die Ansammlung blauer Wolken über ihrem Kopf. Ihr wurde klar, dass sie nur dann heute Nacht ruhig schlafen könnte, wenn sie ihre Tochter finden würde. Also erhob sie sich wieder von der hölzernen Sitzgelegenheit und ging die Straße weiter entlang. Andauernd rief sie den Namen ihrer Tochter, auch wenn sie selbst nicht glaubte, dass Jennys Stimme plötzlich von irgendwo her antworten würde. Trotzdem gab sie nicht auf. Sie ging auf eine große Kreuzung zu, die ungefähr 100m vor ihr lag. Sie lief am Schild eines Dönerladens vorbei, beachtete ihn aber nicht, genauso wie alles andere, was ihr gerade nicht helfen konnte. Sie hatte die Kreuzung erreicht und bog rechts ab, als sie urplötzlich gegen irgendetwas prallte. Sie fiel rückwärts auf den Boden, konnte sich aber noch abfangen, um schlimmeres zu verhindern, und rappelte sich schnell wieder auf. Vor ihr stand ein Junge in einem Shirt einer Rockband, die sie nicht kannte, und einer Jeans. Hinter ihm standen zwei weitere Jungen.
„Entschuldigung, es tut mir leid. Ich hoffe ihnen ist nichts passiert“, entschuldigte sich der Junge, der noch ein bisschen geschockt von dem Zwischenfall wirkte.
„Nein danke, mir fehlt nichts“, entgegnete die Frau und ging ein paar Schritte an den Jungen vorbei. Hinter ihr fingen die anderen beiden Jungen an über ihren Freund zu lachen, aufgrund dessen, was gerade passiert war. Die Frau blieb stehen. Ihr kam ein Gedanke.
„Entschuldigung“, rief sie den Jungen hinterher, „darf ich euch etwas fragen?“ Die Jungen hielten an und drehten sich zu der Frau um: „Klar!“, sagte der, mit dem sie gerade zusammengestoßen war.
„Ich bin auf der Suche nach meiner Tochter, Jenny. Kennt ihr sie vielleicht?“, fragte die Frau.
„Warum? Ist sie weg gelaufen oder so was?“
„Kennt ihr sie nun oder vielmehr wisst ihr wo sie sein könnte?“
„Wir wollten gerade was essen gehen hier in dem Laden“, der eine Junge deutete auf den Dönerladen, „wenn sie sich kurz zu uns setzen, können wir ihnen vielleicht weiter helfen.“
„Okay!“, willigte die Frau ein.
„Mein Name ist übrigens Nick“, sagte der Junge, der mit ihr zusammengestoßen war, und schüttelte ihre Hand.

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