Er stieg in den Bus, zusammen mit den anderen Dreien. Als die Tür sich schloss und er seinen Sitzplatz eingenommen hatte, sah er zum Fenster raus, sah die anderen nicht an. Sie redeten die ganze Zeit, redeten lange, redeten zu viel. Redeten über Mädchen, Eroberungen und Details zwischenmenschlicher Handlungen, von denen er gar nichts wissen wollte. Er schwieg, wollte es nicht hören und wollte auch nicht versuchen mitzureden. Er mochte sie und gönnte ihnen all das Glück und all den Spaß, bloß wissen wollte er von alledem nichts.
„Hey, was ist denn los mit dir? Du bist so still“, fragte der eine.
„Ach nichts, ich bin nur ein bisschen müde“, entgegnete er. Und er log um sich all das nicht anmerken zu lassen. Wie deprimierend!
Zu Hause besserte sich seine Laune nicht gerade. Er tat was er immer tat. Er surfte zu viel, lernte zu wenig, trank zu viel, trank zu viel Kaffee, schlief zu wenig und rauchte zu viel. Was für ein Leben…Er tat das viel weniger aus Frust als aus Langeweile. Er war kein Außenseiter, war aber auch nicht gerade das, was man einen Frauenmagnet nannte. Es klingelte an der Tür. Er wunderte sich, wer ihn wohl zu dieser Stunde unangemeldet besuchen kam. Er öffnete die Haustür.
„Hey Jenny. Wie geht’s?“
„Ach, ganz gut soweit.“
Ihm gegenüber stand ein schlankes Mädchen mit blonden Haaren und einem hübschen Gesicht, das in einer engen Jeans steckte und ein dunkles Top trug. In ihrer Hand hielt sie eine dieser winzigen Handtaschen. Er kannte sie aus der Schule. Sie wohnte nur wenige Häuser weiter.
„Ich hatte Langeweile und dachte ich schau mal bei dir vorbei.“
„Klar, komm rein!“
Er führte sie durch den Hausflur in sein Zimmer. Es war recht nett eingerichtet: Ein runder Holztisch, mit zwei bequemen Stühlen, in denen man immer ein Stück einsank, wenn man sich auf ihnen niederließ, ein großes Fenster mit schöner Aussicht auf einen Garten, ein Bett mit schlichter Bettwäsche und ein Schrank. Die Musik dröhnte aus den unter dem Tisch aufgestellten Boxen. Sie ließen sich auf den Stühlen nieder und er drosselte die Lautstärke der Musik.
„Also, was gibt’s neues bei dir?“, fragte sie, nachdem sie ihre Handtasche auf das Bett geworfen hatte.
Ach, bei mir ist eigentlich alles wie immer“, antwortete Marcel. Er sah sie erwartungsvoll an:
„Und bei dir?“
„Naja, das übliche. Meine Mutter stresst, meinem Vater ist alles egal und ich wollte weg. Und du bist meine erste Wahl. Fühle dich geehrt! Also, lass uns was Lustiges unternehmen.“
„Och, muss das ein…?“
„Ja, los jetzt! Hoch mit dir!“
Lachend sprang sie auf, griff seinen Arm und zog ihn vom Stuhl. Nachdem sie sich auch ihre Tasche wieder um gehangen hatte, fiel die Haustür hinter den beiden ins Schloss.
„Hey, sag mal findet ihr nicht auch, dass Marcel irgendwie in letzter Zeit ziemlich oft ziemlich müde ist?“, fragte Nick die anderen beiden, die zu ihm nach Hause gekommen waren, um eine Runde die Spielkonsole zu quälen. Kevin und Stan guckten ihn verdutzt an, nachdem er die Frage gestellt hatte:
„Ja stimmt jetzt wo du es sagst“, meinte Kev daraufhin und neigte seinen Kopf ein Stück nach rechts, was signalisierte, dass er nachdachte.
„Also mir kommt er nicht komisch vor, falls du das damit sagen wolltest“, fügte Stan hinzu, der während dieses Satzes den Blick nicht einen Zentimeter von dem Bildschirm weg lenkte.
„Ich mein ja nur…“, wollte Nick nachhacken, ließ es dann aber doch lieber sein. „Jungs wollt ihr ein Bier?“, fragte er, während er schon in der Küche stand.
„Ja!“, schallte es synchron zurück.
„Oh süße, deine Haare…“ Mia war sichtlich begeistert von Tracys neuer Frisur.
„Hat der Friseur doch wunderbar hinbekommen“, fand auch Tracy.
Die beiden Mädchen standen im Badezimmer vor einem großen Spiegel und begutachteten sich darin. Beide waren sie schlank. Tracy hatte blondes Haar, blaue Augen und trug ein enges T-Shirt und Hot Pants, wohingegen Mia dunkle Haare hatte und ein buntes Sommerkleid trug. Mia holte ihre Kamera aus der Tasche: „Lächeln!“ Sie legte den Arm um ihre Freundin, machte einen Kussmund und drückte ab. Kritisch sah sie sich das Foto an und löschte es gleich darauf wieder.
„Es gibt schönere. Wir machen nachher noch eins. Aber jetzt erstmal etwas anderes und viel Interessanteres: Was ging da eigentlich gestern Abend zwischen dir und Stan? Ihr wart so schnell von der Feier verschwunden. Also, willst du mir vielleicht was erzählen?“ Ganz aufgeregt sprang Mia auf der Stelle, während Tracy entspannt weiter in den Spiegel starrte. Sie ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Oh komm schon, jetzt erzähl!“
„Es gibt nichts zu erzählen“, sagte sie mit einem verdächtigen Lächeln im Gesicht.
„Dein Gesicht sagt was anderes. Oh, ihr habt es getan, gib es zu!“
„Ja okay! Sagen wir unsere Beziehung hat gestern eine neue Richtung eingeschlagen.“
Jetzt konnte sich selbst Tracy das Lachen nicht mehr verkneifen. Sie schmiss ihren Kamm weg und tat es ihrer Freundin gleich, indem sie kreischend auf und ab hüpfte.
„Du Flittchen!“, schrie Mia scherzhaft. Daraufhin imitierte sie ein paar Sexstellungen mit den entsprechenden Geräuschen, wobei sie beinahe einen Lachflash bekam.
„Mädels, kriegt euch ein!“ Ein Mädchen mit einer bemerkenswerten Figur, einer Jeans uns einem schwarzen T-Shirt stand in der Tür des Badezimmers. Ihr ebenfalls schwarzes gelocktes Haar ging ihr bis zu den Ellenbogen.
„Hast du schon gehört…gestern Abend…die beiden?“, fragte Mia sie völlig außer Atem während sie auf Tracy zeigte.
„Klar weiß ich das schon!“, entgegnete Lena lächelnd, „ Wollt ihr was zu trinken?“
„Cola.“
„Ich auch.“
Das Haus von Lenas Eltern war groß. Drei Etagen und einen Keller besaßen sie. Die drei Mädchen trafen sich fast immer hier nach der Schule, redeten über allen möglichen Klatsch und Tratsch und andere Sachen, denn Lenas Eltern waren fast nie da, weil sie sich vorrangig um ihre Kariere kümmerten. Es war für Mia und Tracy fast schon ein zweites Zu Hause.
Lena kam mit drei Gläsern Cola wieder und stellte sie auf einen kleinen Tisch. Sie nahm eins und gab den anderen die anderen beiden. Mia war immer noch außer Atem.
„Und wie war‘s?“, fragte sie und nahm hastig einen Schluck Cola.
„Was für eine Frage…Es war schön. Sehr schön.“ Tracy hatte ihre Fassung wiedererlangt und sah noch einmal kurz in den Spiegel, bevor sie sich ihr Glas nahm und in Lenas Zimmer ging.
Ein was noch:
AntwortenLöschenMädchen machen sowas nicht.
Wirklich.
Frag wen du willst, Mädchen hüpfen nicht auf Betten rum und imitieren Sexstellungen.
Und man bezeichnet seine beste Freundin auch nicht als "Flittchen", bloß weil sie mit ihrem Freund geschlafen hat.
Woll't ich nur noch mal sagen.
du musst mir auch wirklich jede Fiktion kaputt machen oder?
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